Auftakt der Kuriositäten

Man sollte meinen, dass man als Hundebesitzer schon alles gesehen hat. Wer regelmäßig bezeugen muss, wie der eigene Vierbeiner sein Gesicht in fremden Hintern vergräbt, den kann so leicht nichts mehr erschüttern. Diesen tierisch schlechten Geschmack traut man schließlich sonst keinem zu. Aber wie das im Leben so ist, lernt man immer noch dazu. Ein Mensch, der sich in seiner Freizeit als vermeintlicher Vogel schmückt, zählt zu den Kuriositäten, mit denen einen das Leben doch noch zu überraschen vermag. Selbst beim Hundespaziergang.
Der Trend zu Fake Fur und damit auch zu Fake Federn ist natürlich längst nichts Neues mehr. Sich davon ein zerrupftes Bündel an den Blazer zu stecken und es als Brosche zu titulieren, schon. Alexander McQueen, der für seine dramatischen Echtfeder-Kollektionen in den 2000ern bekannt war, würde sich fremdschämen. Auch er entwarf Broschen aus Federn, die jedoch nach wie vor in ihrer Schlichtheit und Form überzeugen.
Bereits seit 2025 ist das anheftbare Accessoire wieder en vogue, wird aber für die Frühjahr/Sommer Kollektion 2027 weitaus relevanter. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Die Brosche hat schon den ein oder anderen Klassiker wie einen alten Trenchcoat oder schlichten Kaschmirpullover aufgehübscht und ihm zu neuen Charme verholfen. Insbesondere Vintage-Stücken wird bereits seit geraumer Zeit besonderes Interesse zuteil und lässt die Vergangenheit wieder mehr Teilhabe an der Mode der Zukunft haben.
Bei der Umsetzung des Trends ist vor allem Kreativität gefragt. Selbst an der Strickmütze oder seitlich am Rock erwies die Brosche, richtig gestylt, schon gute Dienste. Denn schick ist jetzt, was anders ist. Weg vom Mainstream, hin zum Individium, so lautet die Devise.
Das Accessoire kann dabei sowohl als stummer Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zum Business-Kostüm fungieren als auch durch den „Eyecatcher-Effekt“ ausgefallener Modelle schlichten Looks einfach gleich mehr Glamour verleihen. Und da nächste Saison alles verspricht farbenfroher, intensiver und verspielter zu sein, ist die Brosche als alteingesessener und vielseitig einsetzbarer Stilbegleiter durchaus eine Investitionsüberlegung wert.
Für die kommende Saison überrascht allerdings die Tatsache, dass das Logo einer Firma längst nicht mehr im Vordergrund bei der Inszenierung der Brosche steht wie etwa bei den etablierten Modellen von Chanel, Dior oder auch dem Anagram von Loewe. Vielmehr lebt der Trend von seiner kreativen Ader. Von romantischen, überdimensional großen Blumen und femininen Schleifen über Tiermotive bis hin zu skulpturalen Formen, ist alles dabei.
Darunter leider auch „organische, ziergrasähnliche Formen“ (so lautet die wohlwollende Bezeichnung von Fashion United), die mehr einem zerrupften Hähnchen ähneln anstatt modisch anzumuten.
Die Frage lautet an dieser Stelle also nicht, ob man den Trend mitmachen muss, sondern ob man genug Geschmack besitzt, um ihn stilvoll zu interpretieren.
